US-Präsident Donald Trump hat die mit dem Iran vereinbarte Waffenruhe für beendet erklärt und damit eine erneute Eskalation im Konflikt zwischen beiden Ländern eingeleitet. Die Ankündigung machte Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara, wo er sich mit Verbündeten traf. Die Vereinbarung sei «vorbei», sagte Trump vor Journalisten. Er wolle nicht mit Teheran verhandeln und mit dem Iran «nichts mehr zu tun haben». Die Führung in Teheran bezeichnete er als «kranke Leute».

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatten die USA mehrere Stellungen des iranischen Regimes angegriffen. Nach Angaben des US-Militärs wurden mehr als 80 Ziele im Iran bombardiert, darunter Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie über 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Iranische Medien berichteten von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Meerenge sowie auf der Insel Gheschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Explosionen. Nach Angaben des regierungstreuen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.

Die Führung in Teheran erwiderte das Feuer mit einer Reihe von Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain. Der Iran hatte Berichten zufolge trotz der eigentlich vereinbarten Waffenruhe Tanker in der Straße von Hormus angegriffen, was die USA als Bruch der Vereinbarung werteten. Nato-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die nächtlichen US-Angriffe auf den Iran als «absolut notwendig». «Wenn eine Waffenruhe besteht und der Iran diese im Grunde genommen verletzt, halte ich es für vollkommen entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren», sagte Rutte im Vorfeld des Gipfeltreffens der Nato-Staats- und Regierungschefs in Ankara.

Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für das getötete Staatsoberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei. An diesem Mittwoch sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, ehe Chamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll. Der Zeitpunkt der US-Angriffe während der Trauerphase könnte die Spannungen in der Region weiter verschärfen. Trump habe den Plan für einen Schlag gegen den Iran während seiner Teilnahme am laufenden Nato-Gipfel in der Türkei genehmigt, berichtete der gut vernetzte Journalist Barak Ravid auf X unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten.

Gleichzeitig räumte Trump jedoch ein, dass seine Unterhändler weiter mit dem Iran reden könnten, sofern diese das für wünschenswert hielten. Diese Aussage deutet auf eine mögliche Hintertür für diplomatische Kanäle hin, obwohl der Präsident öffentlich eine harte Linie fährt. Die widersprüchlichen Signale aus Washington lassen Raum für Spekulationen über die tatsächliche Strategie der USA im Iran-Konflikt.

Neben der Iran-Frage sorgte Trump auf dem Nato-Gipfel auch mit seiner Ankündigung für Aufsehen, den gesamten Handel mit Spanien einstellen zu wollen. Der US-Präsident zeigte sich «sehr verärgert über die Nato» und drohte weiteren Verbündeten mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Die Spannungen innerhalb des Bündnisses könnten durch Trumps konfrontativen Kurs weiter zunehmen. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius rief unterdessen zur Geschlossenheit der Nato auf und hoffte auf eine gemeinsame Linie der Verbündeten.

Die Straße von Hormus, in der die jüngsten Angriffe stattfanden, gilt als eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt für den Öltransport. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs wird durch diese Meerenge transportiert. Die erneuten Kampfhandlungen in dieser Region könnten weitreichende Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte haben. Experten warnen vor steigenden Ölpreisen und möglichen Versorgungsengpässen, falls die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran weiter eskaliert.

Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit großer Sorge. Die Vereinten Nationen und mehrere europäische Regierungen haben zur Zurückhaltung aufgerufen und eine diplomatische Lösung des Konflikts gefordert. Bislang zeichnet sich jedoch keine Einigung ab, da beide Seiten ihre Positionen verhärten. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Waffenruhe endgültig gescheitert ist oder ob es doch noch eine Möglichkeit für eine Deeskalation gibt.

Author

Staff Reporter

Harriet Beaumont covers public affairs, politics, business, culture and daily news for The Bizzi Route. The role focuses on verification, context, and clear explanations for readers.